Bezirksversammlung Eimsbüttel

Auszug - Bunker Eidelstedter Weg  

 
 
Sitzung der Bezirksversammlung
TOP: Ö 9.10
Gremium: Bezirksversammlung Beschlussart: beschlossen
Datum: Do, 16.07.2015 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 19:50 Anlass: Sitzung
Raum: Ferdinand-Streb-Saal (Raum 1275), 12.Stock
Ort: Grindelberg 62-66, 20144 Hamburg
20-0963 Bunker Eidelstedter Weg
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Gemeinsamer Antrag
Federführend:D1 - Dezernat Steuerung und Service   
 
Protokoll
Abstimmungsergebnis

Frau Könnecke stellt mit Bezug auf einen Artikel in der Zeitung "Die Zeit" dar, dass Hamburg ein Weltkulturerbe (Speicherstadt) habe und daher Denkmalschutz dort ernst nehme. Dies gelte jedoch für andere unter Denkmalschutz stehende Gebäude in Hamburg scheinbar nicht. Andere unter Denkmalschutz stehende Gebäude würden abgerissen oder dem Verfall preisgegeben. In Eimsbüttel würden zwei denkmalgeschützte Immobilien abgerissen werden, weil sich ein Weltkonzern ausbreiten wolle. Die Expansion würden alle begrüßen, dies sei keine Frage. Doch bedeute dies eben auch den Abriss zweier Denkmäler. Es würde zwar nicht im Bezirk darüber entschieden werden, sondern in der Kulturbehörde und anderen Fachbehörden. Und dort habe man sich mit viel Bauchschmerzen, vielen Gutachten und nach langem Überlegen für einen Abriss entschieden und dem Senatsplan zustimmen müssen. Dagegen könne man im Bezirk nichts machen, dafür reichten die Entscheidungskompetenzen nicht. Aber man könne den Bunkerabriss wieder auf die politische Tagesordnung zurückbringen und dies wolle der Antrag erreichen. Der Verkauf der Grünfläche habe ohne die Beteiligung des Bezirks und der Anwohner stattgefunden, und so geschehe es auch hinsichtlich des Abrisses. Der Antrag solle Licht in die ganze Angelegenheit bringen und einen gleichartigen Kenntnisstand aller Beteiligten. So lange der Abriss nicht stattgefunden habe sehe sie eine Chance, den Abriss zu verhindern.

 

Herr Rust will mit dem Antrag das Thema nicht unbedingt wieder auf die politische Bühne bringen, um den Bunker zu retten. Er wolle vielmehr Klarheit im Verfahren, auch im B-Planverfahren. Und an der Verkaufsentscheidung seien Vertreter des Bezirkes in der Bodenkommission beteiligt gewesen, dies wolle er klarstellen. Zum Thema Weltkulturerbe, dessen wir uns heute rühmen, wolle er darauf hinweisen, dass für den Bau der Speicherstadt 21.000 Menschen umgesiedelt worden seien. Dies heiße er nicht gut, aber es sei Teil der Geschichte. Die Stadt entwickle sich weiter und dabei sei es ein Geben und Nehmen, auch bei Firmen. Man wolle auch, dass sich Beiersdorf an seinem Standort in Eimsbüttel entwickeln könne. Man werde in einem B-Planverfahren, so es eines geben werde, einen sorgfältigen Abwägungsprozess durchführen.

Im Übrigen sei allen bekannt, dass die Abrissgenehmigungen erteilt seien, aber auch, dass die Bilder herausgeschnitten bzw. abgetragen und an einem anderen Standort aufgestellt würden.

Der Umgang mit Denkmälern sei immer ein schwieriger, er denke da an ein Gebäude im Niendorfer Gehege, für das angeblich viele potentielle Nutzer verfügbar wären. Tatsächlich sei aber nur einer übrig geblieben und die Finanzierung des Konzeptes und des Erhalts seien schwierig. Die Stadt entwickle sich weiter und dies bedeute für einige einen Verlust und für andere nicht.

 

Herr Kuhn stellt fest, dass man dem Antrag habe zustimmen wollen, dies jedoch aufgrund des Inhalts der bisherigen Redebeiträge nicht mehr tun könne.

 

Zwischenfrage Herr Obens, dass doch der vorliegende Sachverhalt im Antrag als Entscheidungsgrundlage gelten müsse, und nicht interpretierbare oder missliebige Wortäerungen. Er verstehe daher nicht den Wechsel in der Haltung.

 

Herr Kuhn entgegnet, dass er es gut finde, dass in diesem Gremium über den Antrag gesprochen würde. Man habe jetzt mehr erfahren und verstanden, was hinter dem Antrag stecke und sei wie der Vorredner der Meinung, dass man es sich in dem bisherigen Verfahren nicht leicht gemacht habe, der Konfliktsituation zwischen Weiterentwicklung der Stadt und dem Erhalt von Denkmälern gerecht zu werden. Man dürfe bei dem Blick in die Vergangenheit nicht den Blick in die Zukunft vergessen. Es gebe hier die Chance, tausende von Arbeitsplätzen bei einer Firma mit Wurzeln und langer Tradition im Bezirk zu sichern. Das solle man auch tun, wobei man den Blick auf den Denkmalschutz und die Bilder im Bunker ja nicht verloren habe. Mit der im Redebeitrag formulierten Intention, den Abriss zu verhindern,nne man dem Antrag jedoch nicht folgen.

 

Herr Schmidt findet den Umgang mit Denkmälern in dieser Stadt schäbig. Esbe durchaus andere Möglichkeiten für Beiersdorf, sich in dem Gebiet zu arrondieren, in dem die Firma jetzt sitze. Deshalb könnte es dieser Bezirksversammlung auch obliegen, den Bunker als wesentliches Denkmal zu deklarieren, denn dies sei der am besten erhaltene reine Schutzbunker nicht nur in dieser Stadt. Daher handele es sich hier um ein besonders schützenswertes Kulturgut. Man könne sagen, die Entwicklung von Beiersdorf  sei wichtig, aber man könne auch fragen, ob sie in dieser Form nötig sei. Dies verneine er persönlich und sei sicher, dass es auch andere Möglichkeiten gegeben hätte. Deshalb solle jeder für sich entscheiden, ob er den Bunker wegen seiner Einmaligkeit für erhaltenswert halte. Und wenn dies so sei, ergäben sich für Beiersdorf eine Vielzahl von anderen Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln. Kultur leide in Hamburg und in Eimsbüttel jetzt zukünftig noch stärker.

 

Herr Bulla stellt fest, dass sich schon viele Gremien, auch im Stadtplanungsausschuss (StaPla), mit dem Bunker beschäftigt hätten. Es sei allen hier bekannt, dass man nach der Sommerpause ein Bebauungsplanverfahren starten werde und alle wüsten, dass man in Planungsverfahren alle offenen Fragen transparent und offen angehen würde. Mehr würde der Antrag auch nicht wollen. Und es sei doch völlig unstrittig, dass Fragen des Denkmalschutzes berücksichtigt würden und man begründen müsse, warum man gegebenenfalls über diese hinweggehen möchte. Natürlich wolle man Beiersdorf an seinem Standort halten und nicht vertreiben. Man habe jedoch auch über den Mangel an Grünflachen dort gesprochen und sei verpflichtet, Fragen aus allen Bereichen nachzugehen. Man werde gewiss vor Dilemmafragen stehen und sehen müssen, was planungsrechtlich möglich sei. Daher sei der Antrag zu diesem Zeitpunkt gestellt worden, um möglichst zu Beginn des Planungsverfahrens Fragen, auch unangenehme Fragestellungen, offen zu legen. Dies diene dem kommenden Planungsverfahren und er hoffe, dass man diesem Antrag zustimmen werde.

 

Frau Nastic stimmt vielen Meinungen ihrer Vorredner zu. Dies tue sie jedoch nicht hinsichtlich der Aussage, man habe sich politisch nicht äern können. Es habe bereits Anträge zum Erhalt des Bunkers gegeben. Sie stimme überein, dass die Entwicklung der Stadt immer weiter gehe, man dürfe darüber jedoch die Geschichte, besonders diesen Teil, nicht vergessen. Der Bunker im Eidelstedter Weg sei einmalig und man werde dem Antrag zustimmen.

 

Frau Könneckechte zwei, drei Sachen richtigstellen. Erstmal gehe es nicht um die Frage, Expansion bei Beiersdorf oder der Bunker. Beides könne friedlich nebeneinander existieren. Hier stelle das Planrecht das Problem dar und das könne man im StaPla diskutieren und prüfen. Sie wolle zudem klarstellen, dass der zweite Bunker nicht unter Denkmalschutz stehe und einem Abriss nichts im Wege stünde.

 


Abstimmungsergebnis:

Gegen die Stimmen der CDU mehrheitlich angenommen.