Bezirksversammlung Eimsbüttel

Auszug - Praxisbericht Gästewohnung Wegenkamp zum Thema Partizipation und Krisenunterbringung  

 
 
Sitzung des Jugendhilfeausschusses
TOP: Ö 4
Gremium: Jugendhilfeausschuss Beschlussart: (offen)
Datum: Mi, 21.06.2017 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 20:15 Anlass: Sitzung
Raum: Ferdinand-Streb-Saal (Raum 1275), 12.Stock
Ort: Grindelberg 62-66, 20144 Hamburg
 
Protokoll

Frau Lang und Herr Essberger stellen zunächst das Angebot des Trägers vor. Die Gästewohnung ist aus der Arbeit des ASP Wegenkamp hervorgegangen. Es war eins von 5 Modellprojekten sozialräumlicher Krisenintervention in Hamburg. Es handelt sich um 2 Wohnungen im Quartier mit 4 Plätzen, die für Kinder ab 6 Jahren, Jugendliche, und Eltern(teile) mit Kindern zur Verfügung stehen. Dazu kommen eine ambulante Betreuung und Gastfamilien im Quartier. Die Finanzierung erfolgt über Zuwendungen, früher aus sogenannten SAE Mitteln und aus den SHA Geldern (Sozialräumliche Hilfen und Angebote).

 

Der Träger führt jährlich Interviews mit den Kindern, Jugendlichen und Eltern, die das Projekt genutzt haben durch. Für den letzten Sachbericht wurden Interviews mit den KlientInnen zur Partizipation durchgeführt. Frau Lang und Herr Essberger erläutern hierzu ihr Verständnis von Partizipation. Im Binnenverhältnis findet P. vor allem im Rahmen der Hilfeplanung statt und informell durch Versammlungen o.ä. Daneben gibt es die „wilde Partizipation“ (Sturzenhecker); dies meint die eigene Durchsetzung gegenüber den MitarbeiterInnen. Im Außenverhältnis findet Partizipation unter dem Eindruck gesellschaftlicher oder politischer Setzungen statt. (s. Promotion Sandra Küchler, Partizipation in SHA Projekten der Region 3) Dabei könne man feststellen, dass je freiwilliger eine Zusammenarbeit ist, desto erfolgreicher ist sie. In den verlesenen Interviews wird deutlich, dass Menschen aber durchaus bei bedingter Freiwilligkeit erleben, wenn sie z.B. Optionen haben oder die Möglichkeit sich in Fragen durch zu setzen. Im Ergebnis kommen Frau Lang und Herr Essberger zu dem Schluss, dass Partizipation emanzipatorische Wirkung entfaltet, auch in unfreiwilligen Kontexten gelingen kann und einer entsprechen Haltung bedarf. Dazu gehören ihrer Meinung nach unbedingte Aufrichtigkeit, lebensweltlicher Bezug und eine Haltung die wilde Partizipation als Störung ernstnimmt und wertschätzt.

 

Auf  Nachfrage erklären Frau Lang und Herr Essberger, dass sie auch mit Schulen kooperieren. Sie nehmen an runden Tischen teil, sind an Gesprächen zu integrierten Lerngruppen oder temporären Lerngruppen betreuter Kinder beteiligt. Die Kooperationserfahrungen sind unterschiedlich.

 

Auf Nachfrage von Frau Nendza erklären sie, dass sie inzwischen auch häufig über WhatsApp mit den KlientInenn kommunizieren, da dies das Mittel der Betroffenen ist und sie gute Erfahrungen machen, da dieses Medium nicht so direkt ist wie das telefonieren. Es gehe häufig darum, die Kontaktvermeidung zu durchbrechen.

 

Auf Nachfrage von Frau Rolfes erklären Frau Lang und Herr Essberger, dass die Altersspanne wichtig ist, um alle Kinder und Jugendlichen, falls erforderlich, betreuen zu können. Bei Kindern und Jugendlichen ist das Einverständnis der Sorgeberechtigten erforderlich. Das Kriterium ist der Jugendhilfebedarf, der ASD wird nicht notwendigerweise einbezogen.

Herr Brayer fragt nach dem Verhältnis vorhandener Plätze zum Bedarf. Hier merkt Herr Essberger an, dass er dafür plädieren würde, ähnliche Angebote in anderen Sozialräumen vorzuhalten, anstatt die Platzzahl im Wegenkamp zu erhöhen. Sie hätten 2,5 Stellen (Soz.Päd.) für das Angebot, könnten im Einzelfall kurzfristig eine Rund-um die Uhr- Betreuung mit Kooperation ASP und ggf. Honorarkräften sichern. Ihnen sei die Flexibilität wichtig.

 

Frau Nendza bedankt sich im Namen der Mitglieder bei Frau Lang und Herrn Essberger für die Präsentation und bittet den Sachbericht als Anlage für den JHA zu verteilen.