Bezirksversammlung Eimsbüttel

Auszug - Vorstellung des Jugendclubs Hörgensweg  

 
 
Sitzung des Jugendhilfeausschusses
TOP: Ö 5
Gremium: Jugendhilfeausschuss Beschlussart: (offen)
Datum: Mi, 26.02.2020 Status: öffentlich
Zeit: 17:30 - 19:00 Anlass: Sitzung
Raum: Jugendclub Hörgensweg
Ort: Hörgensweg 59a, 22523 Hamburg
 
Protokoll

Frau Willenborg heißt die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses (JHA) herzlich Willkommen und stellt sich kurz vor. Sie arbeite seit 2018 im Jugendclub Hörgensweg und sei derzeit neben einigen Honorarkräften die einzige hauptamtliche Mitarbeiterin, da die weitere ¾-Stelle nicht besetzt sei. Die Ausschreibung laufe bereits.

Der Jugendclub bestünde bereits seit 1981; der VKJH habe die Trägerschaft für diesen 2008 übernommen.

Geöffnet sei der Jugendclub montags bis freitags von 15:00 bis 20:00 Uhr, mit Ausnahme der Donnerstage, an welchen eine Stunde später geöffnet werde.

Generell gäbe es ein offenes Angebot, welches vor allem von Freizeitgestaltung wie Tischtennis, Playstation, Hausaufgabenhilfe sowie regelmäßig stattfindenden Sozialräumlichen Angeboten der Jugend- und Familienhilfe (SAJF) geprägt sei. Zusätzlich organisiere sie nach den Wünschen der Kinder und Jugendlichen einen Essensplan, nach dem die Kinder und Jugendlichen nach Absprache eigenständig einkaufen gehen und für alle kochen. Neu seien ein donnerstags stattfindender Rap-Kurs, sowie ein Kinderrat im Rahmen des Beteiligungsprozesses von Kindern und Jugendlichen.

Hauptzielgruppe des Jugendclubs seien Kinder und Jugendliche im Alter von 10-16 Jahren; für jüngere Kinder mangele es leider an Angeboten in der näheren Umgebung. Pro Tag besuchten ca. 20-30 Kinder die Einrichtung, da die Besucherzahl sich seit der Entstehung des neuen Quartiers und dem damit verbundenen Zuzug der Familien aus den Unterkünften mit der Perspektive Wohnen (UPW) durch vor allem Jungs verdoppelt habe. Die Neuzugänge hätten somit größtenteils einen Fluchthintergrund; insgesamt hätten ca. 95% der Nutzer*innen des Jugendclubs einen Migrationshintergrund.

Durch die beschränkten Räumlichkeiten und die vielen Besucher sei die Lautstärke teilweise zu hoch, als dass sich auf Hausaufgaben oder ähnliches konzentriert werden könne. Es mangele an Rückzugsorten.

Ergänzend erläutert Herr Gerbing, dass mehrere Kinder- und Jugendeinrichtungen des Quartiers im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft eng zusammen arbeiten, sich gegenseitig personell und räumlich unterstützen und kooperieren (z.B. in Teamgesprächen).

Frau Schwarzarius nimmt Bezug auf die geschilderte Entwicklungspartnerschaft und erkundigt sich, ob trotz der vorwiegenden Nachfrage der Jungs Angebote für Mädchen bestünden, um deren Interesse zu wecken.

Freitags fände im Ackerpoolco (Haus der Jugend Eidelstedt) ein Mädchentag statt, antwortet Frau Willenborg hierauf.

Generell seien auch viele Mädchen unter den Besucher*innen des Jugendclubs; allerdings seien unter den neuen Nutzer*innen aus den UPW keine bzw. kaum Mädchen, wobei fraglich ist, woran dies läge. Ein spezielles Angebot für Mädchen gebe es bisher nicht, da dies von den Kindern ausdrücklich nicht gewünscht sei.

Weiterhin möchte Frau Schwarzarius wissen, ob es Bewohnerbeiräte von den neu zugezogenen Familien gebe und ob dort auch weibliche Teilnehmerinnen involviert seien.

Diese gebe es wohl, sagt Frau Willenborg, strukturell sei ihr über diese jedoch nichts bekannt. Innerhalb der Entwicklungspartnerschaft werde derzeit jedoch ein Konzept entwickelt, um Mädchen besser einbinden zu können.

Auf Nachfrage von Frau Erk berichtet Frau Willenborg, dass für Jüngere, für die keine beständigen Angebote existierten, unregelmäßig Basteltage in den angrenzenden Räumlichkeiten des Beschäftigungsträgers SBB Kompetenz veranstaltet würden.

Herr Gerbing ergänzt, dass fehlende Angebote für bestimmte Altersstufen kein neues Problem seien, da die Besucher*innen häufig ihre kleinen Geschwister mitbringen würden und sich die Altersspanne so von 6 auf 20 Jahren ausweiten würde, was der Jugendclub aber leider nicht leisten könne.

Frau Krüger fragt, inwiefern sich die Öffnungszeiten und Angebote in den Ferien ändern würden, woraufhin Frau Willenborg antwortet, dass ein Ferienprogramm bestünde, welches vor allem in Kooperation mit dem Ackerpoolco durchgeführt würde. Dazu zählten Ausflüge, aber auch interne Programme wir Kickerturniere, Fußballturniere etc. Auf Wunsch der Kinder werde die Öffnungszeit über die Ferien um eine Stunde vorgezogen.

Diese Programme geschähen im Rahmen von „Sommer unter´m Schirm“, fügt Herr Gerbing hinzu, wobei generell einrichtungsübergreifend  Programme und Veranstaltungen angeboten würden.

Herr Lamp´l bedankt sich für die Vorstellung und äußert seinen Respekt vor der Arbeit, die im Jugendclub Hörgensweg geleistet werde. Er erkundigt sich, inwiefern ein räumlicher Ausbau bzw. eine Personalaufstockung geplant sei.

Herr Gerbing antwortet, dass gemeinsam mit dem Jugendamt bereits überlegt werde, wie dem erhöhten Raumbedarf entgegen gewirkt werden könne. Da der SBB umziehen werde, könnten die frei werdenden Räume eventuell genutzt werden; da diese von der SAGA vermietet würden, stünde jedoch noch nicht fest, ob dies finanziell machbar sei. Die gewonnenen Räumlichkeiten würden dann jedoch von allen Trägern der Entwicklungspartnerschaft genutzt werden können.

Herr Könecke erfragt, inwiefern ein Durchbruch zwischen den beiden Gebäudeeinheiten möglich bzw. geplant sei.

Falls die Anmietung der Räumlichkeiten zu Stande käme, solle ein solcher Durchbruch durchgeführt werden, sodass die 200 m2 großen Räume des SBB sowie der 100 m2 große Jugendclub eine Einheit würden, antwortet Frau Willenborg.

Frau Albers betont, dass eine derartige Vergrößerung des Jugendclubs auch aus Sicht des Jugendamtes gewünscht sei, die Finanzierung aber noch geklärt werden müsse. Das Vorhaben sei angemeldet worden, es werde auf eine Entscheidung seitens der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) gewartet.

Daraufhin erkundigt sich Herr Könecke, inwiefern denn die Kinder und Jugendlichen im Rahmen einer Beteiligung Erwartungen und gewünschte Ziele diesbezüglich geäußert hätten.

Frau Willenborg erwidert, dass vor allem ein zweiter Ansprechpartner, also die Nachbesetzung der zweiten hauptamtlichen Stelle gewünscht sei. Allerdings sei auch die räumliche Erweiterung ein Thema; die Kinder und Jugendlichen hätten schon viele Ideen für Bewegungs- und Rückzugsräume geäußert.

Herr Könecke bittet Frau Willenborg, etwas über die Ausgestaltung und die bisherigen Ergebnisse des Kinder- und Jugendrates zu erzählen.

Die erste Sitzung habe am 24.02.2020 mit insgesamt neun Kindern stattgefunden, dort hätten sich diese den Namen JCH-Rat gegeben. Die Sitzungen seien einmal monatlich vorgesehen. Bisher seien viele Vorschläge für Spiele, Ausflüge und gewünschte Anschaffungen gemacht worden. Der Sitzung hätten die Kinder eigenständig eine Struktur gegeben; das selbstständige Arbeiten habe sehr gut funktioniert.

Auf Nachfrage von Frau Schwarzarius, teilt Frau Willenborg mit, dass ca. 10-15 Kinder, die jünger als 10 Jahre alt seien, regelmäßig die Nachfrage nach Angeboten für ihre Altersgruppe verdeutlichen würden.

Frau Iversen erkundigt sich, ob Wochenendöffnungen geplant seien und welcher Herkunft die Nutzer*innen angehörten.

Einmal monatlich werde der Jugendclub für einen Wochenendtag geöffnet sein; die Kinder würden dafür den Tag bestimmen, antwortet Frau Willenborg. Die Kinder aus der UPW stammten aus Syrien und Kurdistan; im Übrigen seien die Herkunftsländer sehr breit gefächert.

Frau Warnecke und Herr Dr. Fischer loben die großartige Arbeit im Jugendclub; Herr Dr. Fischer regt an, aufgrund der Personalsituation die Kinder bei bestimmten Tätigkeiten mit in die Arbeit einzubinden.

Dieses laufe bereits sehr gut, zum Beispiel unterstützten sich die Kinder bereits bei den Hausaufgaben, erklärt Frau Willenborg.

Frau von Sawilski fragt nach, inwiefern die Kinder Richtlinien (beispielsweise gesund und nachhaltig) für ihren Einkauf zum Kochen hätten.

Frau Willenborg sagt, dass sie die umsetzbaren Essenswünsche der Kinder plane und mit diesen den Einkauf bespreche, so dass generell immer frisch gekocht werde und so gut es ginge auf z.B. Plastik verzichtet werde.

Herr Könecke begrüßt Herrn Kasprzack als neues stellvertretendes Mitglied der FDP-Fraktion des JHA. Dieser nimmt Bezug auf die aushängenden Hausregeln und erkundigt sich, wie groß das Konfliktpotenzial unter den Nutzer*innen sei und wie hoch die Fluktuation der Besucher*innen sei.

Frau Willenborg berichtet, dass zunächst Vorurteile gegen die neuen Besucher aus der UPW bestanden hätten, die Kinder sich mittlerweile jedoch zu einer Einheit entwickelt hätten. Streitigkeiten gäbe es zwar, aber dies bewege sich in einem normalen Rahmen und beziehe sich nicht mehr auffallend auf Vorurteile. Die Fluktuation sei sehr gering, viele der Kinder kämen täglich.

Herr Dr. Fischer schlägt vor, Kooperationen mit Eltern, Vereinen und Schulen einzugehen, um durch eine hohe Außenwirkung für mehr Unterstützung zu sorgen.

Abschließend bedankt Herr Könecke sich für die Gastfreundschaft des Jugendclubs und betont, dass viel Interesse an der Arbeit hier bestehe. Zusammengefasst müsse sich um die Räumlichkeiten und die zu besetzende Stelle gekümmert werden. Die Partizipation (u.a. im Rahmen des JCH-Rats) sei auf jeden Fall als dauerhaftes Projekt gewünscht.