Bezirksversammlung Eimsbüttel

Drucksache - 21-1028  

 
 
Betreff: Belebung der Grelckstraße als Stadtteilzentrum: Mehr Platz und Aufenthalts-qualität für Menschen, mehr Grün und Stärkung des lokalen Gewerbes
Status:öffentlichDrucksache-Art:Gemeinsamer Antrag
Federführend:D4 - Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt   
Beratungsfolge:
Regionalausschuss Lokstedt/Niendorf/Schnelsen Vorberatung
08.06.2020 
Sitzung des Regionalausschusses Lokstedt/Niendorf/Schnelsen geändert beschlossen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

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Sachverhalt:

Lokstedt ist in den letzten Jahren enorm gewachsen, die Einwohnerzahl ist in den letzten 20 Jahren um ca. 20 Prozent gestiegen. Prognosen sehen für die nächsten 10 Jahre weitere 10 Prozent Wachstum. In den Augen sehr vieler alteingesessener wie auch neu hinzugezogener Anwohnerinnen und Anwohnern ist aber die Infrastruktur nicht mitgewachsen. Das haben verschiedene Beteiligungsformate der letzten Jahre gezeigt: Die Lokstedterinnen und Lokstedter wünschen sich mehr und qualitativ hochwertigere Möglichkeiten, sich an zentralen Orten zu treffen, aufzuhalten oder auch einzukaufen. Insbesondere zwei Orte stehen dabei im Fokus: Während der Siemersplatz aufgrund des sehr intensiven Verkehrs­flusses als Treffpunkt kaum noch in Frage kommt, fokussierte die Debatte in den letzten Jahren auf die deutlich ruhigere Grelckstraße. Ende 2018 hat sich in Lokstedt innerhalb der Zukunftswerkstatt Lokstedt (ZWL) eine Initiative gebildet, die das Thema Zentrum Grelckstraße mit viel ehrenamtlichen Einsatz und einer Umfrage mit über 800 Lokstedterinnen und Lokstedter vorangetrieben hat. Eine erste Entscheidung war, das Thema Grelckstraße von der eher langfristig angelegten Planung zum Gelände am Behrmannplatz zeitlich zu entkoppeln. Räumlich sollte das möglichst zeitnah wieder zusammengedacht werden. In diesem Sinne wurde die Entscheidung der Hochbahn, einen Ausgang des geplanten U 5-Halts am Siemersplatz gen Behrmannplatz/Grelckstraße zu orientieren, einhellig begrüßt.

Die Bezirkspolitik hat das Thema aufgegriffen und zusammen mit dem Bezirksamt einen Runden Tisch ein- und ausgerichtet. An diesem wirkten viele weitere lokale Akteure, Anwohnerinnen und Anwohner, Gewerbetreibende und Schulen mit und entwickelten zahlreiche konkrete Vorschläge für die zukünftige Gestaltung. Wie zu erwarten stellten die Themen Verkehrsberuhigung und Aufenthaltsqualität zentrale Punkte der Diskussion dar: Belebung der Grelckstraße als Stadtteilzentrum durch mehr Platz und mehr Aufenthaltsqualität für Menschen, durch mehr Grün und durch eine nachhaltige Stärkung des lokalen Gewerbes.

Anfang 2020 wurden die Ergebnisse des Runden Tisches im Regionalausschuss Lokstedt, Niendorf, Schnelsen (RALoNiS) vorgestellt. Politik und Verwaltung begrüßen die Initiative und die intensive Beteiligung zahlreicher verschiedener Akteure des Stadtteils und hoffen nun auf eine große Akzeptanz und eine nachhaltige Mitwirkung bei der Belebung des neuen alten Stadtteilzentrums. Dann hätte auch die demokratische Kultur vor Ort gewonnen.

Diese Lokstedter Forderungen fügen sich ein in zahlreiche ähnliche Diskussionen in anderen Städten und Stadtteilen, die darauf abzielen, öffentliche Räume wieder verstärkt für Menschen nutzbar zu machen, sie mit mehr Aufenthaltsqualität auszustatten und somit attraktiver zu gestalten. In Hamburg besonders bekannt sind die Verkehrsversuche im Rathausquartier, in Ottensen und demnächst auch in Volksdorf. Trotz anfänglicher Skepsis bei einigen, nicht zuletzt bei Gewerbetreibenden, die um ihre Geschäftsgrundlage fürchteten, war die Resonanz bei den beiden ersten Versuchen sehr positiv – so die Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertungen.

Die nachfolgenden Vorschläge zur Belebung der Grelckstraße als Stadtteilzentrum orientieren sich an den Ergebnissen der sehr intensiven und umfassenden Diskussionen im Stadtteil und insbesondere am Runden Tisch. Wie bei allen Neuplanungen wird es auch bei diesen Verkehrsversuchen Kritik und Gegner geben. Um konstruktiven Kritiken ein Forum zu bieten und Kompromisse zu finden – das Ziel von demokratischen Verfahren – soll die bisher erfolgreiche intensive Beteiligung sowie die wissenschaftliche Begleitung fortgesetzt werden.

 

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Petitum/Beschluss:

 

Zeitliche Gestaltung: Verkehrsversuche der vier beim Runden Tisch priorisierten Optionen

Die Bezirksamtsleitung Eimsbüttel wird gebeten, in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen folgende je fünf-monatige Verkehrsversuche in der Grelckstraße durchzuführen (zwei Phasen mit je zwei Optionen werktags bzw. an den Wochenenden). Den Anwohnerinnen und Anwohner soll die Zufahrt zu ihren Wohnungen/Häusern möglich bleiben. Auch die Durch­führung des Wochenmarkts und die Zu- und Abfahrten von Marktbeschickenden müssen uneingeschränkt möglich bleiben. Für die Belieferung der Geschäfte ist unter Beteiligung der relevanten Gewerbetreibenden eine Lösung zu finden. Die Zufahrt von Rettungsfahrzeugen, Fahrzeugen der Stadtreinigung, Handwerksfahrzeugen und Paketdiensten muss für das gesamte Gebiet sichergestellt sein.

Phase I (November 2020-März 2021)

1)   Montagmorgen bis Freitagnachmittag

Durchfahrt verboten. Anliegerinnen und Anlieger/Radverkehr frei im Markt-Bereich

2)   Freitagnachmittag bis Sonntagnacht

Durchfahrtssperre (Straße wird auf Höhe einer der beiden Schranken gesperrt)

Phase II (April-August 2021)

3)   Montagmorgen bis Freitagnachmittag

Durchfahrt verboten. Anwohnerinnen und Anwohner/Versorgungsverkehr/Radverkehr frei im Markt-Bereich

4)   Freitagnachmittag bis Sonntagnacht

Fußgänger-Zone auf Wochenmarkt-Fläche (auf Höhe der beiden Schranken gesperrt) mit Anwohnerinnen und Anwohnern sowie Versorgung frei (als in der Umfrage der ZWL mit über 800 Lokstedterinnen und Lokstedtern sowie von Schülerinnen und Schülern präferierte Lösung); in dieser Zeit sollen niedrigschwellig Veranstaltungen wie bspw. Lokstedt Dinner, Kinderfest, Nachhaltigkeits-/Klima-Markt oder Gesundheitstag in der Fußgänger-Zone ermöglicht werden.

In beiden Phasen sollen zu den vier Optionen die Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer, Anwohnerinnen und Anwohner sowie Gewerbetreibenden abgefragt und qualifizierte Verkehrs-Zählungen durchgeführt werden. Hierfür notwendige Sondermittel sollen dem RALoNiS vorgestellt und dann von der Bezirksversammlung bereitgestellt werden.

Im Anschluss sollen die Verkehrsversuche in Kooperation mit dem Forschungsprojekt Klimafreundliches Lokstedt ausgewertet werden.

Räumliche Gestaltung: Mehr Platz und Aufenthaltsqualität für Menschen, mehr Grün und Stärkung des lokalen Gewerbes

Das Bezirksamt Eimsbüttel wird gebeten, parallel zu den Verkehrsversuchen für nachfolgende Aspekte Pläne für die Grelckstraße zu entwickeln. Sie sollen in einem an die Verkehrsversuche anschließenden Workshop im Rahmen des Runden Tisches zusammen mit den Ergebnissen der Auswertung der Versuche vorgestellt und diskutiert werden.

      Mehr Platz & Aufenthaltsqualität für Menschen, insb. Senioren, Kinder & Familien:

  • mehr Sitz-, Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten
  • mehr Aufenthaltsfläche vor Gastronomie-Betrieben (Lokales Gewerbe stärken I)
  • Parkraum-Management, um Dauerparker zu vermeiden; mit DRK, Aldi, Rewe über Mit-Nutzung von deren Parkflächen verhandeln
  • mehr Inklusion & mehr öffentlicher Raum für Alle: Stolperstellen abbauen, breitere Fußwege
  • mehr Fahrrad-Ständer
  • Veloroute verlegen (s. Koalitionsvertrag)

      Mehr Grün: Grünflächen aufwerten & Urban Gardening: gemeinsames Gärtnern/öffentliche Blumenbeete ermöglichen (naheliegender Weise gemeinsam mit in der Grelckstraße ansässigen Geschäften (Lokales Gewerbe stärken II)

      Weitere Maßnahmen zur Stärkung des lokalen Gewerbes:

  • mehr Aufenthaltsfläche vor Gastronomie-Betrieben
  • Attraktivitätssteigerung der Straße und weitere Veranstaltungen mit Gewerbetreibenden im öffentlichen Raum (Dinner, Kinderfest, Nachhaltigkeits-/Klima-Markt oder Gesund­heitstag, etc.)
  • bei Neu-Bauten Gewerbeflächen/Schaufenster im Erdgeschoss und Offenheit zur Straße hin fördern und fordern

Im Zuge der Planung sollen auch für die angespannte Verkehrssituation vor der Post-Filiale Ecke Grelckstraße/Rütersbarg Lösungsvorschläge unterbreitet werden.

 

Sebastian Dorsch und GRÜNE-Fraktion

Rüdiger Kuhn, Andreas Stonus, Christian Holst und CDU-Fraktion

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Anlage/n:

keine